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Ist Pep Guardiola wirklich das Trainer-Genie, als das ihn die Medien darstellen?

Am 1. Februar dieses Jahres verkündete Manchester City, dass in der kommenden Saison Pep Guardiola Manuel Pellegrini als Team-Manager der Citizens ablösen würde. Die City-Fans waren natürlich aus dem Häuschen, aber auch andere Fanlager freuten sich über einen neuen Star in der Premier League. Schon vor der Sommerpause wurde Manchester City als Topfavorit für einen Triple-Gewinn in der Folge-Saison gehandelt.

Pep Guardiola ist ein guter Manager. Mit Barcelona gewann er 14 Titel, mit den Bayern weitere 7. Trotzdem glaube ich, dass ihm im Laufe seiner Trainerkarriere Vieles leicht gemacht wurde, da er stets über einen großartigen Kader und ein hohes Transferbudget verfügte.

Guardiola übernahm Barcelona zu Anfang der  Saison 2008/2009 von Frank Rijkaard und traf sofort drastische Entscheidungen, wie etwa den Verkauf von Ronaldinho, Deco und Gianluca Zambrotta, die unter Rijkaard Schlüsselspieler gewesen waren. Er verpflichtete Dani Alves, Seydou Keita, Gerard Pique, Martin Caceres und Alexandar Hleb, die, von Alves und Pique mal abgesehen, eher durchschnittliche Spieler waren, und konnte weiterhin auf die Klasse von Lionel Messi, Carlos Puyol, Xavi und Andres Iniesta zählen. In seiner ersten Saison in Barcelona gewann Guardiola das Triple mit der Mannschaft, die Frank Rijkaard in den Vorjahren geschaffen hatte. Alles was Guardiola seinen Spielern sagen musste, war, dass sie so weiterspielen sollen, wie sie es gewohnt waren. Meiner Meinung nach erleichterte auch die fehlende Konstanz von Erzfeind Real den Durchmarsch von Guardiolas Team.

Auch in den Folgejahren 2009/2010 und 2010/2011 konnte Guardiola mit Barca Titel gewinnen und krönte sich selbst zu einem der besten Trainer der Welt. Aber auch diese Erfolge waren größtenteils dem Team, das er von seinem Vorgänger geerbt hatte, und der schwankenden Leistung der gegnerischen Teams zu verdanken. Der größte Rivale in der spanischen Liga, Real Madrid, schickte wieder mal seinen Trainer in die Wüste – Jose Mourinho ersetzte Manuel Pellegrini – und konnte aufgrund dieser Unbeständigkeit nicht mit Barcelona mithalten. Guardiola verpflichtete Adriano von Sevilla, Javier Mascherano von Liverpool und David Villa von Valencia – alles gute Spieler, trotzdem waren die anhaltenden Erfolge auf den alten Stamm der Mannschaft zurückzuführen.

In der Saison 2011/2012 rutschte Guardiolas Barcelona in eine kleine Krise. Der Liga-Titel ging wieder an den Rivalen aus der Hauptstadt und auch in der Champions-League wurde Barca von Chelsea geschlagen. Einige Schlüsselspieler, wie Gabriel Milito und Bojan Krkic, verließen den Verein in dieser Saison und man verpflichtete Cesc Fabregas von Arsenal. Der talentierte Spieler sollte es unter Guardiola nicht schaffen, sich in die Spielschemen von Barcelona einzufügen. In diesem Jahr belegte Guardiola in der FIFA-Rangliste der besten Trainer nur Platz drei, hinter Vicente Del Bosque und Jose Mourinho.

2012/2013 legte Guardiola ein Sabbatjahr ein und übernahm erst in der Folgesaison den FC Bayern von Jupp Heynckes. Dieser hatte die Vorsaison zu einem der erfolgreichsten Jahre in der Vereinsgeschichte gemachte, indem er das Triple holte. Auch hier fand Guardiola also eine eingespielte Mannschaft von Siegertypen vor, die er einfach nur spielen lassen musste, wie sie es gewohnt waren. In den ersten zwei Jahren konnte Guardiola mit den Bayern zweimal die Bundesliga gewinnen. In Europa versuchte er, der Mannschaft seinen eigenen Stempel aufzudrücken und seinen Ballbesitz-Fußball durchzusetzen, und scheiterte damit.

In die Saison 2016/2017 startete Guardiola mit seinem neuen Verein Manchester City mit zehn Siegen in Folge. In den letzten Wochen ist Guardiolas Taktik in Kritik geraten, da viele Spieler Schwierigkeiten haben, sich an seine Spielideen zu anzupassen. Auch hat Guardiola immer noch keine feste Mannschaft gefunden. Die aktuelle Situation bei ManCity wäre daher eigentlich die größte Herausforderung, die Guardiola bislang in seiner Karriere bewältigen musste. Damit bin ich allerdings nicht ganz einverstanden. Bei den finanziellen Möglichkeiten des Clubs, ist es Guardiola möglich, für jeden Spieler zu bieten, den er möchte, und somit seine Traummannschaft zusammenzustellen. Sollte Guardiola nächstes Jahr, mit einem vom Financial Fairplay auferlegten begrenzten Budget, die Premier League gewinnen, werde ich zugeben, dass er das erste Mal in seiner Karriere als Manager wirklich erfolgreich war.